Foto der Seite von Kurt Ottowitz: Hagenbach - Brunnen in der Frühmessgasse 

Bad Friedrichshaller Kleindenkmale

In der Broschüre „Bad Friedrichshaller Kleindenkmale“ hat Stadtarchivar Simon M. Haag die Ergebnisse der zehn ehrenamtlichen Kleindenkmalerfasser aufbereitet, die in den Jahren 2014 und 2015 die kleinen, ortsfesten und von Menschenhand aus dauerhaftem Material geschaffenen Zeugnisse von Kultur und Geschichte auf Bad Friedrichshaller Gemarkung ausfindig gemacht und dokumentiert haben. Aufgenommen wurden in Duttenberg, Hagenbach, Jagstfeld, Kochendorf, Untergriesheim und Neckar-Enz-Stellung technische Denkmale wie Anker und Poller am Neckar, Hausinschriften, Wappen, Brunnen, Bunker, Heiligenfiguren, Grabmäler, Feldkreuze u.a.m. Durch ihre Alltäglichkeit ermöglichen die in dem Heft beschriebenen Objekte einen sichtbaren und zum Teil auch greifbaren Bezug zur lokalen Geschichte, sei es durch ihre Verknüpfung mit historischem Wissen, mit Familienbezügen, oder einfach nur durch eine sich darum rankende Erzählung.

Die kreisweite Erfassung der Kleindenkmäler hatte der Heilbronner Kreistag im Frühjahr 2013 beschlossen. Unter der Schirmherrschaft von Landrat Detlef Piepenburg übernahmen die Bad Friedrichshaller Erfassungsarbeiten Gabriele und Horst Görlich, Ferdinand Lock, Siegfried Mack, Michael Reiß, Hans und Erni Riexinger, Rudolf Specht, alle aus Bad Friedrichshall sowie Kurt Ottowitz aus Oedheim und David Wagner aus Untereisesheim.

Aus dieser Broschüre werden wir jeden Sonntag auf unserer Homepage und in den Sozialen Netzwerken sowie donnerstags im Rundblick ein anderes Kleindenkmal vorstellen. 

Bad Friedrichshaller Kleindenkmale

Kennen Sie eigentlich ....

 

... den Rathausbrunnen Duttenberg?

Der Dorfbrunnen neben dem Duttenberger Rathaus stammt laut der im Brunnenstock eingemeißelten Inschrift aus dem Jahr 1688. Über der Jahreszahl wird das Ortszeichen gezeigt, ein lateinisches Kreuz mit Fußsparren zwischen den Majuskeln (Großbuchstaben) D und B und in der nächsten Zeile die Großbuchstaben VSC.

Eine zweite Seite des Stocks zeigt in der ersten Zeile ein mit der Spitze nach unten gerichtetes pfeilartiges Symbol, welches die Initialen H W trennt. Darunter sind die Großbuchstaben HPE eingemeißelt. Hierbei mag es sich um die Kürzel für den Namen der Brunnenbauer oder des seinerzeitigen Schultheißen (Bürgermeister) handeln.

Die dritte Seite zeigt die Majuskeln HGG / PE / HWF / GM / HIE, wobei es sich um die Namenskürzel der Ratsmitglieder im Brunnenbaujahr handeln dürfte.

Und die vierte ist dem Hoheitszeichen des einstigen Dorfherrn vorbehalten, dem Deutschordenskreuz.

Der mehr als 27 Kubikmeter fassende Brunnentrog wird aus fünf Röhren mit Wasser gespeist.

Bis auf die eventuell erneuerten Röhren scheint sich der aus deutschordischer Zeit stammende Brunnen noch im originalen Zustand zu befinden.

Standort: Torstraße Duttenberg

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

… das Seeligkreuz?

Das wohl älteste Wegkreuz der Jagstfelder Markung stand einst an der Wegegabel, an welcher der Hagenbacher Weg von der Hohen Straße abgeht. Nachdem es am Ende des Zweiten Weltkriegs durch amerikanischen Artilleriebeschuss zerstört worden war, fand der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte Jagstfelder Josef Anton Grammling im August 1945 den Korpus auf dem Acker im heutigen Schwimmbadareal. Auf seine Initiative hin schuf Steinmetzmeister Willi Maurer ein neues Kreuz dafür, welches am Markustag 1948 (25. April) geweiht wurde.

Nachdem der Standort durch den Bau des Freibades und der dazugehörigen Parkplätze unzweckmäßig geworden war, ließ Grammling das Wegekreuz auf sein Grundstück an den aktuellen Platz versetzen.

Die Inschrift auf der Nordostseite des Sockels schildert dieses Schicksal in Kurzform: EHEM[ALIGES] SEELIG KREUZ / ANFANG 19. JAHRH[UNDERT / 1945 IM KRIEG ZERSTÖRT / 1970 HIER ERSTELLT VON / JOSEF ANTON GRAMMLING. Auf seiner südöstlichen Schauseite sind folgende Verse eingemeißelt: Gepriesen / sei der Name / des Herrn! / Von nun an / bis in Ewigkeit.

Standort: am Feldweg Richtung Duttenberger-Wehr-Heuchlingen

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

... das Schäferkreuz?

Das Hochkreuz ist in der Bevölkerung unter dem Namen "Schäferskreuz" bekannt, der sich vom benachbarten Hausnamen ableitet. Die Sockelinschrift verrät das Stifterpaar, das aus Höchstberg stammte und in Hagenbach wohnte: Jesus / in den Schmerzen / Lieb ich von / ganzem Herzen / erstellt von / JOSEPH BERTSCH / und seine Ehfrau / DOROTEA eine / geb[orne] PFLEDERIN / 1820. Bei dem Christuskörper handelt es sich um eine Arbeit der Schwäbischen Hüttenwerke Wasseralfingen.

Standort: Hagenbacher Straße, Grünanlage

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: K. Ottowitz

... den Graffito? 

Der großflächige Graffito "Spielende Kinder" wurde von der in Jagstfeld gebürtigen Künstlerin Hal Busse (Hannelore Bendixen-Busse), der Tochter des Jagstfelder Künstlers Hermann Busse (1883-1970), 1955 als Bauschmuck über dem einst offiziellen, doch nie derart genutzten Haupteingang des Schulhauses geschaffen. 

Standort: Grundschule Jagstfeld
Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall,
Fotograf: Horst Görlich

... den Johannesbrunnen?

Anlässlich der Neugestaltung des Areals um die Untergriesheimer Kirche wurde der seit langen Jahren in der Bürgerschaft gehegte Wunsch nach einem Brunnen in diesem Bereich umgesetzt. Der daraufhin von dem Gundelsheimer Bildhauermeister Ludwig Herold gestaltete Fließbrunnen trägt auf seiner Rückseite am oberen Rand folgende Inschrift: Gestiftet von den Bürgern / und örtlichen Vereinen / 5.6.1993.

Standort: Südlich von Lorscher Straße 7, bei der Kirche

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

 

... das Ortswappen von Kochendorf

Das Ortswappen zeigt im (blauem) Feld auf (grünem) Boden ein springendes (silbernes) Pferd vor drei Pappeln. Diese Symbolik wurde dem Herzschild des Reichsadlers aus dem Wappen des Ritterkantons Odenwald übernommen. Kochendorf war von 1762 bis zum Anschluss an Württemberg 1806 im Besitz des Ritterkantons und ab 1764 dessen zentraler Verwaltungssitz. Das Pferdesymbol wurde 1936 in das neugeschaffenes Bad Friedrichshaller Wappen übernommen.

Standort: Hauptstraße 6, Altes Rathaus, Ostseite, mittig zur Hausfront über dem zweiten Torbogen.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

... die Pieta?

An dieser Stelle soll um 1900 ein Kind tödlich verunglückt sein. Vielleicht war dies der Anlass zur Stiftung des Bildstocks, von der eine seitliche Inschrift lediglich erzählt: Gestiftet von Thomas / Wörner und dessen Ehefrau / Paulina 1896.

Die schon etwas verwitterte Inschrift in der Front des Sockels fordert zu Achtung und Fürbitte auf: O ihr alle die ihr am Wege vorübergehet / gebet acht und schauet ob ein Schmerz / gleich sei meinem Schmerze / Klagelied 1.12 / Bitte für uns o schmerzensvolle Mutter / Maria / Auf daß wir würdig werden der / Verheißung Christi / Maria.

Den Schutz des Bildstocks mit der Darstellung von Maria und Christus gewährt ein verzinktes Wellblech und seine Einfassung mit einem Eisengitter.

Pieta ist die Darstellung der trauernden Maria, die den Leichnam Christi im Schoß hält.

Standort: Ecke Gundelsheimer Straße / Hofgartenstraße Duttenberg

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

... das Abgebrochene Kreuz?

Das älteste Kreuz auf der einstigen Dorfmarkung Hagenbach wird vom Volksmund das "Abgebrochene Kreuz" genannt. Es wurde an seinem ursprünglichen Standort, dem Deutschordensverwaltungszentrum Heuchlingen abgebrochen und von den Stiftern an seinem heutigen Platz am ehemaligen Fußweg von Hagenbach wieder aufgestellt. Die Sockelinschrift erzählt: 1735 / PETER MILER / VON HAGENbACH / Gerg Adam / Milers Sohn / Stifter dises / Werks.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: Kurt Ottowitz

... die Kapelle Ägidiusberg?

Die Lourdes-Grotte am Ägidiusberg mit herrlichem Blick auf das Jagsttal, steht knapp an der Gemarkungsgrenze zu Gundelsheim-Höchstberg. Die Kapelle wurde 1896 erbaut, 1908 erweitert und 2001 renoviert.

An zentraler Stelle birgt sie eine Statue der Maria und zu ihren Füßen links daneben kniend eine Statue der heiligen Bernadette. Verschiedene Votivtafeln (einem Heiligen aufgrund eines Gelübdes geweihte kleine Tafel mit einer Inschrift), zwei Liedertafeln und eine Kniebank ergänzen das Interieur.

In vergangenen Zeiten spielte eine wassergetriebene Spieluhr unter der Marienstatue Marienlieder. Ihr vom Berg hinter der Kapelle kommendes Wasser speiste einen gemauerten Tuffsteinbrunnen vor der Kapelle, der zusammen mit der Spieluhr im Zweiten Weltkrieg beschädigt und nach 1945 entfernt wurde.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: R. Specht

... die Wassersperre?

Die um 1840 erstellte Wassersperre in Untergriesheim wurde bis zur Betriebseinstellung der Correllschen Hammerschmiede benötigt um das Wasser des Tiefenbachs in einen oberhalb der Schmiede angelegten See zu leiten. Hier wurde das Aufschlagswasser für das Wasserrad der Hammerschmiede gespeichert.

Standort: Tiefenbachtal

 

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich / Rudolf Specht

... die Rathausplatz-Plastik?

1933 bis 1935 entstand durch den Zusammenschluss von Kochendorf mit Jagstfeld und Hagenbach die Gemeinde Bad Friedrichshall, die 1951 zur Stadt erhoben wurde. Das jetzige Rathaus wurde 1964 bis 1967 erbaut, im Zuge dessen, wurde die Rathausplastik aufgestellt.

Die 1967 von der Berliner Künstlerin Ursula Sax entworfene und erarbeitete Plastik soll die Vereinigung der damaligen drei Stadtteile Hagenbach, Jagstfeld und Kochendorf zur Stadt Bad Friedrichshall symbolisieren.

Übrigens: Im Zuge der Gemeindereform kamen 1972 die Gemeinde Duttenberg und 1975 die Gemeinde Untergriesheim zu Bad Friedrichshall. 1992 bis 1998 entstand im Rahmen des Wohnungsbauprogramms des Landes Baden-Württemberg der Stadtteil Plattenwald. Der gewählte Ortsname "Friedrichshall" geht auf den ersten württembergischen König Friedrich I. zurück, der 1812 - 1816 erfolgreich nach Salz bohren ließ. Die Bezeichnung "Bad" kam hinzu, weil Jagstfeld in früheren Jahren ein bekanntes Solbad gewesen ist.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: Markus Friedrich

.... den Jagstfelder Kreuzweg?

Ursprünglich standen die 14 Kreuzwegstationen bei der Christkönigskapelle im Kocherwald. Da sie an diesem Standort öfters beschädigt wurden, entschloss man sich in den 1970er Jahren die Stationen abzubauen und an ihren aktuellen Platz umzuziehen. Der Kreuzweg steht entlang der Außenseite der Auferstehungskirche in Jagstfeld.

Als Kreuzweg bzw. Prozessionsweg  bezeichnet man einen dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeten Wallfahrtsweg, bei dem der Betende einzelnen Stationen des Weges folgt und dort betet. Seit der Zeit um 1600 wurden Kreuzwege mit vierzehn bebilderten Stationen errichtet.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

... die Untergriesheimer Kriegerkapelle?

Im Kapellchen an der Steige wurde anlässlich der Öschprozession 1875 das erste Mal das Evangelium gelesen. Zum Gedächtnis der Untergriesheimer Gefallenen beider Weltkriege weihte man es am 09. August 1942. Dazu waren die vermutlich aus der 1845 abgebrochenen Pfarrkirche stammenden Figuren hergerichtet worden.

Zwei beiderseits der Kapelle angebrachten Tafeln listen die Toten des Ersten Weltkriegs, vier weitere beiderseits des Kruzifixes im Innenraum die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges auf.

Standort: Kreßbacher Straße, Gewann an der Steige in Untergriesheim

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: R. Specht

... die Lourdesgrotte?

 

Die Lourdesgrotte zeigt die betende Maria, die von einer vor ihr knienden Frauenfigur angebetet wird. Auf diese Weise wird die Marienerscheinung dargestellt, wie sie Bernadette Soubirous (1844-1879) bei der Grotte von Lourdes 1858 mehrfach erschienen sein soll. Papst Pius XI. sprach Bernadette 1933 heilig.

Die Grotte wurde 1913 von der Familie Baumgart erbaut. Anlass war die schwere Erkrankung einer Tochter, die durch die Hilfe der Muttergottes wieder gesunden sollte.

Standort: Kapellenweg beim Friedhof in Hagenbach

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: K. Ottowitz

... die Christkönigskapelle?

Der Jagstfelder Zimmermann Roman Mayan arbeitete als Bergmann im Friedrichshaller Salzbergwerk. Als ihn fortgeschrittener Rheumatismus immer stärker am Gehen hinderte, bat er nicht nur kompetente Ärzte um Hilfe, sondern auch Gott. Mayan wurde wieder gesund. Dankbar errichtete er mit Freunden 1933 eine Kapelle am Gewann im Kocherwald.

Von Anfang an wurde sie stark frequentiert mit regelmäßigen Andachten und allabendlichem Rosenkranzgebet. Auch eine Hochzeit fand hier statt. Herr Sivasubramaniam Nagabalan öffnet die Kapelle jeden Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Bildnachweis: Stadtarchiv Bad Friedrichshall, Fotograf: H. Görlich

Die 140 Seiten umfassende Broschüre im DIN A 4-Format „Bad Friedrichshaller Kleindenkmale“ kann im Rathaus für 9,50 EUR erworben werden.