Bad Friedrichshaller Glocken

Glocken sind in unserem Alltag stets präsent – auch wenn wir sie nicht sehen, so hören wir sie doch mehrmals am Tag, oft ohne sie bewusst wahrzunehmen. Wussten Sie, dass es nicht nur in den Kirchtürmen Glocken gibt? Diese sind auch in alten Rathäusern, auf Friedhöfen und sogar auf Firmengeländen wie dem Salzbergwerk oder der Firma Landry zu finden. In dieser neuen Serie möchten wir Ihnen die verschiedensten Glocken in Bad Friedrichshall vorstellen und Ihnen ihre teilweise sehr bewegte Geschichte näherbringen.

Die Glocken haben eine ihrer Aufgaben - außer zu Gebet und Gottesdienst zu rufen - nämlich zum Frieden zu mahnen, noch lange nicht verloren.

Erlöserglocke auf dem Friedhof Hagenbach

Gussjahr: 1994, Gebr. Bachert, Kochendorf

Schlagton: fis‘‘, unterer Durchmesser: 58,4 cm, Gewicht: 137 kg, Bronze

Symbol: Christus als Richter und Erlöser, 15. November 1994

Auf dem Friedhof Hagenbach steht eine kleine, im Jahre 1611 erbaute Kapelle ohne Turm und Glocke. Die Kapelle war die ursprüngliche Pfarrkirche von Hagenbach, deren Altar früher in Heuchlingen stand.

1994: Die Hagenbacher Friedhofsglocke verdankt ihr Vorhandensein der Stiftung des Ehepaares Kuno und Elisabeth Schell. Zum 50jährigen Arbeitsjubiläum bei den Glockengießereien in Kochendorf und Heilbronn war die Stiftung einer Glocke für den Friedhof der Wohngemeinde passgenau. Natürlich musste für die Glocke auch ein Träger gebaut werden. Diese Aufgabe gestaltete sich als zusätzliche finanzielle Herausforderung, die im Zusammenwirken der Stadt Bad Friedrichshall, der Glockengießerei Bachert und der Fördergemeinschaft Glockenträger Friedhof Hagenbach gelöst wurde.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Frühere Glocke der Hl. Kreuzkapelle Duttenberg

Gusszeit: ca.1400 + unbekannter Gießer

Pfarrer Schwarz vermerkte bei seinem Eintrag in den Meldebogen von 1940, dass die Glocke zum Gottesdienst schwingend geläutet werde und der Dachreiter schwer zugänglich sei. Wegen ihres Alters und der Unzugänglichkeit wurde die Glocke in beiden Weltkriegen belassen und nicht nach A,B oder C klassifiziert. Sie verblieb erst mal in der Kirche.

Bei Renovierungen in der Zeit von 1983 bis 1985 und im Jahr 2013 konnte nach Mitteilung von Alois Kohler, Duttenberg, keine Glocke mehr festgestellt werden. Möglicherweise wurde sie schon bei der 1959 stattgefundenen Restauration der Kapelle entfernt. Nach Aussage einer älteren Einwohnerin von Duttenberg – dokumentiert von Alois Kohler – wurde das Kreuzkapellenglöckchen jedoch noch nach Kriegsende geläutet. Die Glocke ist leider verschwunden.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Bergfriedhof Bad Friedrichshall-Kochendorf

Aus dem Bericht der Heilbronner Stimme vom 9.12.1968 zum Guss von 17 Glocken für Freud und Leid: „Die leichteste Glocke mit einem Gewicht von vier Zentnern wird in Kochendorf auf dem neuen Bergfriedhof einmal das Totengeläut anstimmen. ...“. Am 19.11.1969 wurde dann der Friedhof als „neuer“ Friedhof für den Stadtteil Kochendorf eingeweiht.

Die Glocke wurde 1968 von der Gießerei Gebr. Bachert, Kochendorf, gegossen. Sie ist aus Bronze und wiegt 200 kg. Seine Inschrift lautet ICH WEISS, DASS MEIN ERLÖSER LEBT.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Glocke des Alten Friedhofs Kochendorf

Gussjahr: 1857 + Gießerei: A. Bachert, Kochendorf + Durchmesser: ca. 52 cm + Bronze

Inschrift: ERNST BEGLEITEN IHRE TRAUERSCHLÄGE EINEN WANDERER AUF DEM LETZTEN WEGE. GESTIFTET VON DEN FREIHERRN LUDWIG UND AUGUST WAECHTER ZU LAUDENBACH AUF DEN TODESTAG IHRES VATERS, DEN 7. NOV. 1852. GEGOSSEN VON A. BACHERT IN KOCHENDORF.

Durch ein Gesuch von Pfr. Bezzenberger vom 10. September 1853 an das „Hochpreisliche Königlich-Evangelische Konsistorium“ in Stuttgart wissen wir, dass eine der Familie Greck zugehörige Frau ein Kirchlein auf den alten Friedhof zum Zweck der Abhaltung von Trauergottesdiensten gestiftet hatte, aber schon vor der Amtsführung des Geistlichen wurde das darauf befindliche Glöcklein gestohlen, von der Gemeinde aber nicht ersetzt.

Im Jahr 1813 wurde das Gebäude seinem ursprünglichen Zweck dadurch entfremdet, daß die vom Nervenfieber befallenen Soldaten in einer Zeit des Krieges und weil es kein anderes schützendes Gebäude gab, dort untergebracht wurden.

Später wurden von Zeit zu Zeit wieder Trauergottesdienste in dem Kirchlein abgehalten. Pfarrer Bezzenberger stellte aber dar, dass sich das Kirchlein der Zerstörung näherte und sich niemand fand, auch die politische Gemeinde nicht, der das baufällige Gebäude erhalten wollte und er deshalb mit seinem Schreiben den Versuch machen wolle, mit seiner Bitte an das Konsistorium eine Wiederherstellung des Gebäudes für den ursprünglichen Zweck erreichen zu können. Was gelang.

Aus dem Infoschild am Eingang des „Alten Friedhofs“ in Kochendorf: „Der Friedhof wurde im 16. Jahrhundert angelegt. Vorher fanden die Beisetzungen auf dem Kirchhof statt. Hier - gemeint ist der „Alte Friedhof“ - befinden sich Grabstellen der Adelsfamilien von Wächter-Laudenbach, Capler von Oedheim, genannt Bautz, von Breuning und der Reichsgrafen von Zech.“

Die von Johann August (1807 – 1879) und Christoph Ludwig von Wächter (1806 -1856) im Jahre 1857 gestiftete Glocke würdigt deren Vater August Christoph von Wächter (1776 -1852).

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Ehem. Glocken auf dem Landry-Verwaltungsgebäude

Das heutige Verwaltungsgebäude der Firma Landry gehörte ursprünglich zur Saline. Die Erbauungszeit kann für 1824 angesetzt werden, genutzt wurde es als Salzmagazin, später, etwa ab 1892/93 als Wohnhaus. Aus alten Unterlagen lassen sich für das Jahr 1873 zwei Glocken im Türmchen nachweisen. Zusammen hatten sie ein Gewicht von 200 kg. Selbst der ‚leere‘ Turm ist heute noch sehenswert. Leider kann man nicht nachvollziehen, wohin die Glocken abhanden gekommen sind. Diese sind verschwunden.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Glocke auf dem Alten Rathaus Kochendorf

„Das Rathaus ist ein prächtiger Fachwerkbau mit reichen Schnitzereien und stammt aus dem Jahr 1597, renoviert 1786 ... Ein zierliches Glockentürmchen auf dem Dach gereicht ihm zu besonderer Zierde.“ So schrieb Friedrich Krapf im Neckarsulmer Heimatbuch.

Die Firma M. Widmann, Holzgroßhandlung und Sägewerk, hatte sich angeboten, eine neue Rathausglocke zu stiften, während die Firma Gebrüder Bachert das Anpassen der Armatur und das Aufhängen der Glocke unentgeltlich übernahm. Der Gemeinderat nimmt dieses Anerbieten mit Dank an (1918/19).

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Kapellenglocke der Christkönigskapelle Jagstfeld im Kocherwald

 

Der Jagstfelder Zimmermann Roman Mayan arbeitete als Bergmann im Friedrichshaller Salzbergwerk. Als ihn fortgeschrittener Rheumatismus immer stärker am Gehen hinderte, bat er nicht nur Ärzte um Hilfe, sondern auch Gott. Mayan wurde wieder gesund. Dankbar errichtete er mit Freunden 1933 eine Kapelle am Gewann im Kocherwald. Der 1936 ebenfalls von Roman Mayan bei der Kapelle errichtete Kreuzweg wurde zwischenzeitlich an die Auferstehungskirche umgesetzt.

Von Anfang an wurde die Kapelle stark frequentiert mit regelmäßigen Andachten und allabendlichem Rosenkranzgebet. Auch eine Hochzeit fand hier statt.

1978 übernahm die Katholische Kirchengemeinde das Gebäude. Jeden Sonntag öffnet Herr Sivasubramaniam Nagabalan von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Ehem. Kath. Pfarrkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit, Kochendorf

Heute: Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde Bad Friedrichshall

Bis 29.9.1972 war das Gotteshaus zur Hl. Dreifaltigkeit die Kochendorfer Pfarrkirche und hatte ursprünglich ein zweistimmiges Geläute.

Dieses bestand aus einer Glocke aus dem Gussjahr 1783 der Gießerei Anselm Speck aus Heidelberg, Schlagton g``, einem unteren Durchmesser von 61 cm und einem Gewicht von 140 kg mit der Inschrift „ANSELM FRANTZ SPECK IN HEIDELBERG GOSS MICH ANNO 1783“. Diese Glocke kam infolge einer Kriegsabgabe im September 1918 für zwei Jahre auf den Turm der St. Dionyskirche Neckarsulm, war im zweiten Weltkrieg zunächst freigestellt und musste dann doch abgeliefert werden, kam aber 1947 zurück und konnte schließlich 1955 ihren Läutdienst in der Dreifaltigkeitskirche in Kochendorf wieder aufnehmen.

Die zweite der beiden „alten“ Glocken wurde im Jahr 1853 von der Gießerei A. Bachert aus Kochendorf gegossen, Schlagton g``, unterer Durchmesser 49 cm, Gewicht 80 kg und der Inschrift „ÜBER DEIN VOLK DEN SEGEN. FÜR DIE GEMEINDE HAGENBACH. GEGOSSEN von A. BACHERT IN KOCHENDORF IM JAHRE 1853“.

1982/83 erfolgte eine Sanierung, zu den zwei „alten Glocken“ kam eine weitere, im November 1982 bei Bachert in Kochendorf gegossene Glocke mit dem Schlagton cis``, einem unteren Durchmesser von 75 cm, einem Gewicht von 225 kg mit der Inschrift „TE DEUM LAUDAMUS“ hinzu.

2015 wurde das Gotteshaus profaniert, also entweiht, wird jedoch seit 2017 wieder für Gottesdienste der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde verwendet. Die Glocken werden jede Woche mindestens zwei Mal geläutet.

Foto 1: Glocke aus dem Jahr 1853

Foto 2: Anselm-Franz-Speck-Glocke von 1783

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Katholische Auferstehungskirche Jagstfeld

Die neuen Glocken für die Auferstehungskirche Jagstfeld, 1968
Inschrift und Symbol der Glocke
Vier Glocken übereinander

Nach der Grundsteinlegung im Jahre 1955 konnte am 12. Mai 1957 die Einweihung der neuen Auferstehungskirche erfolgen, die vorhandenen Glocken wurden zunächst übernommen. Seinerzeit hat man die Glocken der alten Wendelinuskirche auf den Turm des neuen Gotteshauses „Auferstehungskirche“ gebracht. Als dann die evangelische Erlöserkirche gebaut wurde, bot es sich gewissermaßen an, nun ebenfalls ein neues Geläute anzuschaffen. Man wollte die Glocken beider Kirchen aufeinander abstimmen, um einen harmonischen Klang zu erreichen, der auch wegweisend sein soll für das Zusammenleben der beiden Gemeinden.  

Am 6.12.1968 fand der Guss des „neuen“ Viergeläutes der Auferstehungskirche statt. Die Weihe fand dann am 01.01.1969 durch den Abt des Klosters Wimpfen, dr. Albert Schmitt, statt.

Die vier Glocken aus dem Gussjahr 1968 aus der Gießerei Gebr. Bachert, Kochendorf, sind die Gredo-Glocke, Marienglocke, Christeneinheitsglocke und die Michaelsglocke.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Friedhof Duttenberg

Der Duttenberger Friedhof wurde 1833 angelegt, 1973 erweitert und mit einer Kapelle versehen. Die Glocke ist dem Hl. Kilian gewidmet und stammt aus dem Gussjahr 1920. Diese Glocke ist identisch mit der kleinsten Glocke aus dem 1920 für die Kilianskirche angeschafften Geläute.

Mit dieser Glocke verbindet sich die Geschichte von einem besonderen Läuteaushilfsdienst in Höchstberg. Sie war die einzige über den Zweiten Weltkrieg hinaus erhaltene Kirchenglocke aus dem Bachert-Geläute von 1920 in Duttenberg und sie verblieb auf dem Turm bis 1949. Danach wurde sie nach Höchstberg ausgeliehen, bis man dort in der Gemeinde wieder eigene Glocken hatte. Damit wurde die Glocke nicht mehr gebraucht und nach Duttenberg zurückgebracht, im Kirchturm, im ersten Stockwerk hinten links, abgedeckt, unter der Treppe verstaut. Anlässlich des Baus der Duttenberger Leichenhalle bot die Kirchengemeinde der Stadt Bad Friedrichshall die Kiliansglocke als Friedhofsglocke an. Dort läutet sie noch heute.

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).

Katholische Kilianskirche Duttenberg

Die Kilianskirche in Duttenberg wurde 1733/34 an der Stelle eines 1730 abgebrannten Gotteshauses erbaut. Eine erste Vorgängerkirche dürfte dort bereits Anfang des 14. Jahrhunderts gestanden haben.

Die ersten Glocken der Kilianskirche stammten alle aus unterschiedlichen Gussjahren und Gießereien. Die älteste dieser Glocken, die Evangelistenglocke, stammte bereits aus dem Jahr 1443.

Im 1. Weltkrieg musste das Geläute teilweise abgegeben werden, konnte jedoch im Mai 1920 durch neue Glocken von der Gießerei Gebr. Bachert aus Kochendorf ersetzt werden. In der Unterländer Volkszeitung vom 20. Mai 1920 erschien dazu der Artikel „Neue Glocken“, in dem von dem Wunsch die Rede ist, dass die neuen Glocken so lange läuten mögen wie „die älteste und kleinste seit 1414“ – womit unklar bleibt, welche Glocke damit gemeint ist, vermutlich jedoch die aus dem Gussjahr 1443 stammende Evangelistenglocke.

Heute hat die Kilianskirche ein vierstimmiges Geläute, das vier Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges angeschafft wurde. Gegossen wurden alle vier Glocken von der Gießerei A. Junker aus Bilon im Jahr 1920 und haben einen unteren Durchmesser von 116, 105, 94 und 78 cm. Auf den Glocken findet man folgende Inschriften: „DEIN VOLK IN NOT, RETTE DREIEINIGER GOTT.“ „HEILIGSTES HERZ JESU, ERBARME DICH UNSER.“, „ALLE TAGE SING UND SAGE LOB DER HIMMELSKÖNIGIN.“ sowie „HL. KILIAN BITTE FÜR UNS IM LEBEN UND IM STERBEN.“

Aus: Norbert Jung „Kleines Glockenverzeichnis Bad Friedrichshall“ (2021).