„Weltgeschichten“ - Spielzeit 2019.2020

Liebes Publikum,

die aktuelle Spielzeit, die unter dem Motto „Weltgeschichten“ steht, reist durch die aktuellen Themen der Welt. Denn auch das ist Aufgabe eines Theaters: den Blick zu öffnen für aktuelle Geschehnisse, Theater ist ein Ort der Aufklärung, Theater regt an, schafft Meinung, Protest oder Beifall.

Und so begibt sich die Badische Landesbühne auf Reisen durch nach wie vor aktuelle Themen wie „Welt am Draht", das sich um die Frage dreht, ob das, was wir für real halten auch tatsächlich so ist. Es beschreibt die Angst der Menschen vor künstlicher Intelligenz. „Das Schmuckstück“ greift in einer lustvoll überspitzten Emanzipationskomödie die persönliche Reise einer Frau auf und zeigt, dass Emanzipation immer noch nicht überall gelebt wird. In „Mercedes“ geht es um freie Zeit und Arbeitslosigkeit und wie Menschen damit umgehen. „Der Illegale“, ein Drama aus der deutschen Widerstandsbewegung, hat in seinem Kern auch heute wieder Aktualität.

Ich wünsche Ihnen eine anregende und stets inspirierende neue Spielzeit und hoffe auf viele Begegnungen bei den Aufführungen der Badischen Landesbühne.

Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie ein starres Bühnenbild durch einen Schauspieler, der die Bühne betritt, zum Leben erweckt wird oder je nachdem, welches Stück man sieht, begleiten einen Gefühle. Im Theater sitzt man nicht einfach rum, man lebt mit dem Stück mit, leidet, lacht oder wütet. Und so hinterlässt Theater wirkliche Gefühle.

Ihr

Timo Frey
Bürgermeister

März 2020

Thomas Brasch

Mercedes

Zwei Zündkerzen

Abendspielplan: Inszenierung: Alexander Schilling

Samstag, 21. März 2020 um 19.30 Uhr 

Zwei junge Menschen treffen sich im Nirgendwo: Sakko hat seinen Job verloren und eine Abfindung bekommen. Arbeitslos, haltlos und einsam steht er an der Straße und zählt die vorbeifahrenden Autos. Um seinem Leben wieder Sinn zu geben, sieht er als einzigen Ausweg die Verpflichtung bei der Armee. Oi kann Sakkos Haltung nur schwer nachvollziehen. Für sie ist freie Zeit doppelte Zeit, arbeitslos oder Urlaub – das mache keinen Unterschied. Wenn sie etwas braucht, klaut sie es im Supermarkt oder aus der Umkleidekabine der Sauna. Und zur Not nimmt sie auch mal Geld für Sex. Sakko und Oi, so grundverschieden ihre Haltungen zu Leben und Arbeit auch sind, versuchen sich langsam anzunähern, probieren unterschiedliche Rollen, Konstellationen, Versuchsanordnungen aus, nehmen Rauschmittel und immer wieder neuen Anlauf. Medium oder Bindeglied ihrer Begegnungen ist ein Auto, das auch als Wunsch und Projektionsfläche dient: ein Mercedes.

Thomas Braschs sprachgewaltiges Stück Mercedes ist eine Liebesgeschichte. Es hat, so der Autor, mit Leonce und Lena zu tun, „mit den beiden Königskindern, die sich zufällig begegnen und ineinander verlieben, ohne zu wissen, dass sie diejenigen sind, die füreinander bestimmt sind. Oder mit Romeo und Julia, denen es verboten wird, sich zu lieben.“ Wie sie können Sakko und Oi ihr Ziel nicht auf geradem Weg erreichen. So wird erst über den Umweg von Experiment und Spiel für zwei gestrandete Einzelne etwas möglich, was in der stupiden Realität nicht zustande kommt: Nähe.

Thomas Brasch

Der Schriftsteller und Filmemacher Thomas Brasch (1945-2001) war eine der markantesten Figuren der Neueren Deutschen Literatur. Aus seinen Texten spricht die individuelle Erfahrung eines jungen Mannes mit dem Zwangssystem seines Vaters, der ein hoher Parteifunktionär in der DDR war. Die unbedingte Sehnsucht nach Utopie, die Beschreibung sozialer Unfreiheit und Auseinandersetzung mit entfremdeter Arbeit, die „dem Mensch das Leben wegfrisst“ (Katja Lange-Müller), machen ihn zu einem Autor von bleibender Aktualität.

Mai 2020

Rainer Werner Fassbinder / Fritz Müller-Scherz

Welt am Draht

Technikplatine

Abendspielplan:

Inszenierung Carsten Ramm
Bühne Tilo Schwarz
Kostüme Kerstin Oelker
Musik Hennes Holz

Samstag, 16. Mai 2020 um 19.30 Uhr

» um 19.00 Uhr findet eine Einführung in das Stück statt «

Mit Hilfe des Supercomputers Simulacron haben Wissenschaftler um Professor Vollmer am Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung, IKZ, eine Welt erschaffen, die von künstlichen Menschen bewohnt wird. Die Forscher, darunter Vollmers Assistent Fred Stiller, haben Zugang zu dieser Welt. Einer ihrer Bewohner, ein Mann namens Einstein, weiß, dass er in einer Simulation lebt. Er ist die Kontaktperson der Forscher. Nachdem Professor Vollmer durch einen Unfall ums Leben kommt, wird Stiller zum Technischen Direktor des Instituts befördert. Dass sein Kollege Lause plötzlich spurlos verschwindet und sich niemand an dessen Existenz erinnern kann, ist nur einer von vielen rätselhaften Zwischenfällen am IKZ, denen Stiller auf den Grund gehen will. Einen Hinweis erhält er von Einstein, dem es kurzzeitig gelingt, der Simulation zu entkommen: Auch Stillers Wirklichkeit sei lediglich simuliert und werde von einer höheren Ebene aus gesteuert. Verblüffend spannend und klar, in einer Mischung aus Krimi und Science-Fiction verband der Fernsehfilm Welt am Draht aus dem Jahr 1973 das Spiel mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen. Seine Themen – manipuliertes Bewusstsein, das Gefühl permanenter Überwachung und die zunehmende Durchdringung unserer Lebenswirklichkeit mit Technologie – sind im digitalen Zeitalter von bestechender Aktualität.

Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) avancierte als Regie- Autodidakt zu einem der erfolgreichsten deutschen Nachkriegsregisseure und wichtigsten Vertreter des gesellschaftskritischen Neuen Deutschen Films. Trotz seines frühen Todes hinterließ der „im Leben wie im Arbeiten berserkerhaft Vorwärtsstürmende“ (SZ) ein umfangreiches Werk, das als genial und provokant zugleich aufgenommen wurde.

Fritz Müller-Scherz

Fritz Müller-Scherz ist Drehbuchautor und war auch als Musiker und Filmjournalist tätig. Über mehrere Jahre gehörte er zum Stab Rainer Werner Fassbinders. Als Darsteller ist Müller-Scherz durch Helmut Dietls Serie Kir Royal bekannt geworden.

Juli 2020

Eugène Labiche

Das Sparschwein - Freilichtaufführung

zerschlagenes Sparschwein

Abendspielplan: 

Inszenierung: Arne Retzlaff
Ausstattung: Ines Unser

Sonntag, 5. Juli 2020 um 20.30 Uhr

Innenhof Schloss Heuchlingen   

Eine Pokerrunde in der französischen Provinz: Champbourcy, Rentier und Kommandant der freiwilligen Feuerwehr, seine Schwester Léonida und seine Tochter Blanche, der Bauer Colladan, der Apotheker Cordenbois und der junge Notar Félix zahlen in ein Sparschwein ein, das nun randvoll ist und endlich geschlachtet werden müsste. Aber was anfangen mit dem Geld? Jeder hat einen Vorschlag, wie man es verprassen könnte: Der Apotheker will eine getrüffelte Pute, der Bauer auf den Jahrmarkt nach Crépy. Ganz demokratisch soll nun abgestimmt werden. Léonida gelingt es, ihren Bruder und ihre Nichte – und damit deren Verlobten Félix – von einem Ausflug nach Paris zu überzeugen. Nicht ohne Hintergedanken: Seit drei Jahren gibt sie eine Kontaktanzeige auf, nun hat sich ein Heiratsvermittler gemeldet und macht ihr Hoffnung auf ein Rendezvous in der Hauptstadt. Champbourcy, seit längerem von Zahnschmerzen gequält, will die Gelegenheit zum Arztbesuch nutzen. Der Ausflug nach Paris gewinnt also mit knapper Mehrheit und schon am nächsten Morgen machen sich die Provinzler auf den Weg. Eugène Labiche zieht in Das Sparschwein alle Register: Temporeich treibt er seine Protagonisten in die Fallen und Fettnäpfe der Großstadt, führt die Eitelkeiten und den naiven Übermut der Dörfler genüsslich vor, entzieht ihnen die in Aussicht gestellten Vergnügungen und lässt ihre Träume gnadenlos zerplatzen. La Cagnotte, so der französische Titel, wurde 1864 uraufgeführt und zählt neben Die Affäre Rue de Lourcine und Ein Florentinerhut zu den bekanntesten Komödien Labiches.

Eugène Labiche

Eugène Labiche (1815-1888) studierte Jura und arbeitete als Journalist für kleine Zeitschriften, bevor er gemeinsam mit zwei anderen Autoren sein erstes Stück schrieb. In der Folge gingen aus seiner Theaterwerkstatt 173 weitere hervor. Labiche gab die Grundstruktur vor, der Rest entstand in Teamarbeit mit einer ganzen Reihe von Co-Autoren. Nur sieben Stücke werden ausschließlich ihm zugeschrieben. Fast ausnahmslos produzierte Labiche für die großen Theater an den von Haussmann umgestalteten Pariser Boulevards, die ihm ausgezeichnete Verdienste bescherten und einer ganzen Gattung ihren Namen gaben: Boulevardkomödie.

Preise

AbonnementsregulärermäßigtSchüler


Großes Abo 1. Platz

(bis Reihe 8)

65,00 €   50,00 €

Großes Abo 2. Platz

(ab Reihe 9)

60,00 €   45,00 €

Quartett

(vier übertragbare Karten gültig für alle Produktionen

und bester verfügbarer Platzkategorie)

40,00 €

Sextett

(sechs übertragbare Karten gültig für alle Produktionen

und bester verfügbarer Platzkategorie)

55,00 €

Das junge Abo

(drei Stücke zur freien Auswahl für Schülerinnen

und Schüler)

 

15,00 €
Einzelkartenregulärermäßigt Schüler
1. Platz 12,00 €   8,00 €
2. Platz11,00  €7,00 €
Kinder-/ Jugendtheater                                               6,00 €

4,00 €

Schülervorstellung3,50 €
Geschenkgutschein für eine Produktion12,00 €8,00 €

Ermäßigung erhalten Schülerinnen und Schüler, Studierende, Auszubildende, Wehr- und Ersatzdienstleistende, Helferinnen und Helfer im Freiwilligen Sozialen Jahr, ALG II-Empfänger und Schwerbehinderte gegen Vorlage eines entsprechenden Ausweises.

Abonnements und Vorverkauf

Stadt Bad Friedrichshall
Anja Stradinger
T 07136/832-127
email

Spielstätte Bad Friedrichshall

Aula der Otto-Klenert-Schule
Rathausplatz 7
74177 Bad Friedrichshall

Das Freiluftstück findet im Innenhof auf Schloss Heuchlingen statt.

Karten- und Abopreise

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Kostenloses KombiTicket

Logo Kombiticket

Alle Eintrittskarten der städtischen Kulturreihe, der KinderKulturReihe und der Badischen Landesbühne berechtigen zur kostenfreien Fahrt mit dem öffentlichen Personennahverkehr Bus, Bahn und Stadtbahn in Stadt und Landkreis Heilbronn, Verkehrsverbund Rhein-Neckar, Kreisverkehr Schwäbisch Hall: Eintrittskarte = Fahrschein. Dies gilt ab drei Stunden vor Veranstaltungsbeginn bis Betriebsschluss im gesamten Verbundgebiet als Fahrschein.

Hier finden Sie das HNV-Land.