Reformationsjahr 2017

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Luther wurde zum "Spalter" des Christentums und zum Urheber der "Reformation". Er griff gängige Praktiken der Römisch-Katholischen Kirche an, besonders den "Ablasshandel“. Die Praxis der Kirche, den Menschen gegen Geld die Sünden zu erlassen, widerstrebte Martin Luther. Er sah im Ablasshandel einen Missbrauch und forderte stattdessen eine Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen des Evangeliums.

Die evangelische Kirche feiert jährlich an diesem Tag den Reformationstag. Gerade Kochendorf war betroffen von der Reformation und so gibt es einige Veranstaltungen zu diesem Thema, die in Kooperation mit der ev. Kirchengemeinde Kochendorf stattfinden. Dieses finden Sie am Ende der Seite.  

Reformation in Kochendorf 1549

Kochendorf war ein Reichsritterdorf. Über 400 Jahre übte das Adelsgeschlecht der Grecken die Ortsherrschaft aus. Sie waren freie Reichsritter, nur dem Kaiser waren sie zu Treue und Gefolgschaft verpflichtet, sie waren reichsunmittelbar.

 

1549      führt Wolf Conrad Greck I in Kochendorf die Reformation ein
1550

richtet er eine Schule für die Kinder seiner Untertanen ein. Mit dem Gehalt des Frühmessers, den man nun nicht mehr benötigte, wurde nun ein Lehrer besoldet.

(Frühmesser = ein katholischer Priester, der aus Stiftungserträgen zum regelmäßigen Zelebrieren der Frühmessen vor Arbeitsbeginn der Bevölkerung verpflichtet war).

1551heiratet Wolf Conrad von Greck I, Sibylla von Gemmingen.
1553nehmen Wolf Conrad und Sibylla ihren Wohnsitz im neu erbauten Wasserschloss (Schloss Lehen) ein.

Wolf Conrad war früh Waise geworden. Er besuchte die Lateinschule in Gemmingen, deren Gründer sein späterer Schwiegervater, Wolf von Gemmingen-Guttenberg war. Die Familie Gemmingen-Guttenberg war schon früh der Lehre Luthers zugetan. Die Burg Guttenberg war Treffpunkt bekannter Unterländer Reformatoren wie E. Schnepf und Lachmann. Sie war Ausgangspunkt der Reformation in unserem Raum.

Wolf von Gemmingen-Guttenberg, Sibyllas Vater, wird als aufrechter, frommer und gerechter Mann geschildert.

Während dem Schmalkaldischen Krieg 1546 hielt sich Kaiser Karl V. in Heilbronn auf (der Schmalkaldische Krieg wurde von 1546 bis 1547 von Kaiser Karl V. gegen den Schmalkaldischen Bund, ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte unter der Führung von Kursachsen und Hessen, geführt. Dabei versuchte der Kaiser, im Heiligen Römischen Reich den Protestantismus zurückzudrängen und gegenüber den Reichsständen die kaiserliche Macht zu stärken). Wolf von Gemmingen-Guttenberg wurde als Vertreter der Reichsritterschaft Kraichgau vor den Kaiser geladen und aufgefordert, der neuen Lehre abzuschwören und zur katholischen Religion zurückzukehren. Folgende Antwort soll er dem Kaiser gegeben haben:

"Es würde mir sehr leid tun Ihre Kaiserliche Majestät, mein nächst Gott oberstes Haupt zu betrüben oder etwas zuwider zu handeln, doch würde ich das eher tun, als Gott zu erzürnen und die reine Lehre abzuschaffen."

Es ist anzunehmen, dass der Einfluss von Sibylla und ihrer Familie zur Reformation in Kochendorf, mitten im Deutschordensgebiet, geführt hat.

(Erni Riexinger)  

Programm "Frauen in der Reformation"

Sonntag,

8. Oktober            

Gottesdienst zum Thema "Frauen in der Reformation" mit

Pfarrer Volker Gemmrich

 Sebastianskirche

Sonntag,

8. Oktober

14.00 Uhr

Stadtführung: 1551 heiratet der Ortsherr Wolf Conrad Greck I Sibylla von Gemmingen. Das Elternhaus von Sibylla war schon früh der Lehre Luthers zugetan und noch vor seiner Hochzeit führte er 1549 die Reformation in Kochendorf ein.

Begleiten Sie Sibylla auf ihrem Rundgang durch Kochendorf.

  Treffpunkt 

  Schloss Lehen,

   Hauptstr. 2

Mittwoch,

11. Oktober

19.00 Uhr

Vortrag "Reformation in Kochendorf" mit dem Stadtarchivar Bad Friedrichshall Simon M. Haag M.A.
Sebastianskirche

Freitag,

13. Oktober 

19.30 Uhr   

Theaterstück über Katharina von Bora -

Die Professionen der Frau Luther

Über das Leben der Ackerbürgerin, Köchin, Gärtnerin, Winzerin, Kuhmagd und diskussionsfreudigen Wohltäterin Katharina von Bora (1499-1552). Die einstige Ordensschwester war ein genialisches Multitalent und schuf ihrem arbeitssüchtigen Reformatorengatten Martin Luther - der mit der Bibelübersetzung reichlich beschäftigt war und alle Welt davon überzeugen wollte, dass Gott und nicht der Papst unser Herr sei - einen gesellschaftlichen Kosmos mit sechs Kindern, Pflegekindern, Gästen und Diskussionsrunden.

Das DEIN Theater, Stuttgart, stellt in einer szenischen Lesung mit Film- und Fotoeinspielungen die freigeistige Katharina von Bora, die von ihrem Mann liebevoll "Herr Käthe" genannt wurde, vor. Info

  Sebastianskirche

 

 

 

Unterhalb des Greckenschlosses erhebt sich die evangelische Sebastianskirche. Von der im Jahr 1274 erstmals erwähnten Wehrkirche sind noch einige Elemente erhalten. Mit der Reformation in Kochendorf im Jahre 1549 wurde die Kirche evangelisch.
Erni Riexinger als Sibylla Greck von Kochendorf.
Sibylla Greck von Kochendorf führt durch den historischen Stadtteil Kochendof.